Mérida – Herz und Zentrum von Yucatán


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Als die spanischen Konquistadoren die vermutlich im 6. Jahrhundert nach Christus gegründete Maya-Stadt T’Hó im Jahr 1541 im Rahmen ihrer Eroberung der Halbinsel Yucatán erreichten, bestand diese größtenteils bereits nur noch aus Ruinen, deren gewaltigen Ausmaße jedoch beeindruckend waren, weshalb sich die Kolonisatoren an die ähnlich imposanten römischen Ruinen der Stadt Mérida in der südspanischen Extremadura erinnert fühlten und folgerichtig diesen Namen als neue Bezeichnung für die sonst eher schlichte Siedlung wählten. Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Überreste der Pyramiden und anderen Gebäude intensiv als Steinbrüche und Materiallager für zahlreiche Neubauten genutzt, so besteht etwa die älteste Kathedrale Mexikos, die zwischen 1562 und 1599 errichtete Catedral de San Ildefonso in Mérida zu großen Teilen aus Steinen einstiger Mayabauten. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Stadt dann nahezu vollständig hispanisiert, zahlreiche spanische Familien, deren Wohlstand teilweise im krassen Gegensatz zur Armut der indigenen Bevölkerung stand, siedelten sich an. Angesichts der bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder aufflammenden Aufstände der Maya (Kastenkrieg) wurde die schnell expandierende Stadt Mérida durch ihren Gründer Francisco de Montejo und dessen Nachkommen durch den Bau einer umfangreichen Stadtmauer auch militärisch gesichert, noch heute kann man die damaligen Stadttore, die Mérida zu einer Stadt nur für Weiße machen sollten, etwa im Stadtviertel im Barrio de San Juan besichtigen.
 

 

Mérida Stadt des Internets, der Kultur und der Denkmäler

In weniger als 100 Jahren verzehnfachte sich dann die Einwohnerzahl Méridas, heute leben im größten Ballungsgebiet des mexikanischen Südostens und dessen Umgebung fast 1 Million Menschen. Die Kulturhauptstadt Amerikas des Jahres 2000 diente auch schon zweimal als Schauplatz binationaler Treffen zwischen Mexiko und den USA. Aufgrund ihrer mustergültig ausgebauten Infrastruktur wird sie neben dem brasilianischen Sao Paulo und Chihuahua im Norden Mexikos zur digitalen Avantgarde Lateinamerikas gezählt. Als unumstrittenes gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches Zentrum des heutigen Bundesstaats Yucatán ist Mérida auch als Ausflugsziel, Urlaubsdestination und Verkehrsknotenpunkt von großem touristischem Interesse. Vom internationalen Flughafen „Aeropuerto Internacional Manuel Crescencio Rejón“ gibt es zahlreiche Verbindungen in alle Regionen Mexikos, nach Südamerika, Europa und in die USA. Daneben verbinden auch viele Fernbuslinien die Stadt mit dem Rest des Landes. Dementsprechend existieren vor Ort auch Übernachtungsmöglichkeiten und Unterkünfte aller Kategorien und Preisklassen, von günstigen Hostels und Pensionen bis hin zu luxuriösen Häusern großer internationaler Hotelketten wie etwa „Hyatt“, „Holiday Inn“ und „Ambassador“ besteht sowohl im Stadtzentrum als auch in der Umgebung eine riesige Auswahl. Eine sehr beliebte Backpacker Unterkunft ist das Hostal Nomádas in der Calle 62 Nr.433. Hier gibt es Doppelzimmer bereits ab 20 Euro.
Catedral de Yucatán, Mérida
Die wichtigste und bekannteste urbane Sehenswürdigkeit Méridas ist die zentrale, breite und beiderseits von Bäumen gesäumte sowie mit zahlreichen Denkmalen für einstige städtische Honoratioren versehene Prachtstraße Paseo Montejo. Dort befindeen sich auch das Anthropologische Museum im Palacio Canton und das von dem kolumbianischen Künstler Rómulo Rozo im Jahr 1956 geschaffene Monument für das Vaterland.

Viele weitere Museen lohnen ebenfalls einen Besuch, so etwa das Naturkundemuseum in der Nähe des Zoos, das Stadtmuseum am Park Eulogio Rosado, das große Museum der Mayawelt in der Calle 60 Norte und das Museum für die Volkskunst Yucatáns in der Calle 50.

Insgesamt 9 namhafte und gut besuchte Theater kann die Stadt vorweisen, das wahrscheinlich schönste ist das Teatro José Peón Contreras in der Calle 60.
 

Das grüne Mérida und die Liebe zu Truthahn und gefülltem Käse

Zahlreiche Parks und Grünanlagen laden ebenfalls zum flanieren ein. So zum Beispiel die beiden zentralen Analgen Parque de San Juan und Parque de San Cristóbal. Eine weitere grüne Lunge ist auch der in den 1990er Jahren eröffnete Parque Ecológico del Poniente, für an Archäologie und Geschichte Interessierte empfiehlt sich der Parque Arqueoecológico de Xoclán, Wasserratten finden bestimmt Gefallen an den großen künstlichen Seen des Acuaparque de Mérida im Südosten der Stadt.

Bekannt ist Mérida auch für seine charakteristische lokale Küche. Wie überall in Yucatán wird auch dort gerne Truthahn in diversen Zubereitungen gegessen. Weitere typische Gerichte, die man in den unzähligen Garküchen und Restaurants vor Ort verkosten kann, sind Huevos Motuleños (gebratene Eier mit Schinken, Erbsen, Tomatensoße und Bohnen), Tamales Colados (mit Huhn, Schwein, Tomaten und Knoblauch gefüllte Maistaschen) sowie vor allem der allgegenwärtige Queso relleno (ein Edamer-Käse gefüllt mit Hackfleisch und verschiedenen Kräutern).
 

 

Sonntags wird gefeiert, getanzt, gehandelt und musiziert

Ein sehenswertes Spektakel spielt sich jeden Montagabend direkt vor dem Palacio Municipal ab, wenn dort die in die traditionelle, mit Blumenmustern geschmückte Tracht gekleidete Tanzgruppen den altehrwürdigen regionalen Jarana-Tanz zum Besten geben. An gleicher Stelle spielt immer wieder sonntags ein Orchester Son, Salsa und Cumbia-Klänge. Ebenfalls jeden Sonntag steigt das bei Einheimischen wie Gästen sehr populäre Straßenfest Mérida en Domingo (Mérida am Sonntag) rund um die Plaza de la Independencia. Von überall ertönt dann Live-Musik, es kann an kleinen Ständen gegessen werden und zahlreiche Straßenhändler bieten Waren aller Art an.

Ebenfalls empfehlenswert ist auch der örtliche Karneval in Mérida in Mexiko, der nach Meinung zahlreicher Experten und Beobachter der sehenswerteste und farbenfrohste in ganz Yucatán sein soll.

Als Souvenirs empfehlen sich zum Beispiel die nach uralten Mustern zum Teil noch handgefertigten Stickereien, kunstvolle geflochtene Körbe aus Naturmaterialien, die überall erhältlichen Hängematten, fragiler Schmuck aus Gold, Silber und Perlen, Schalen und Schüsseln aus dem häufig verarbeiteten Ceiba-Holz. Keramik aller Art mit Mustern der Mayas, die lokal typischen Figuren aus Kalkstein und nach alter Sitte von Hand geschöpftes Papier.