Der Maya Kalender


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Es gibt Stimmen, die mit Blick auf den Maya Kalender den Weltuntergang 2012 prophezeien. Nicht gerade verlockend diese Vorhersage. Grund genug, sich den Maya Kalender 2012 etwas genauer anzuschauen und sich zu fragen, was es mit den vermeintlichen Maya Prophezeiungen auf sich hat. Das ausgeklügelte, historische Kalendersystem der Maya gehört zweifellos zu den faszinierendsten Mysterien der Menschheitsgeschichte. Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Generationen von Forschern mit dem Maya Kalender, wobei es sich genau genommen um mehrere, einander ergänzende Kalender handelt, die von den Mayas für die Zeitrechnung genutzt wurden. Ausgangspunkt für die Vorhersage des Weltuntergangs für 2012 ist die Tatsache, dass sich in einem dieser Maya Kalender 2012 der Zahlenwert des Ausgangstages zum ersten Mal wiederholt, was als Maya Prophezeiung des Weltuntergangs für 2012 verstanden werden kann. Wie aber lässt sich ein Datum im Maya Kalender 2012 in unser heute gebräuchliches Kalendersystem umrechnen?
 

 

Das Kalendersystem der Maya

Für ihre Zeitrechnung nutzten die Mayas insgesamt drei Systeme, die miteinander korrelieren und in ihrer Gesamtheit auf einer Zählung und Addition von Tagen beruhen. Dies sind der rituelle Tzolkin-Kalender, der zivile Haab-Kalender sowie die Lange Zählung beziehungsweise der Long Count, mit dessen Hilfe längere Zeiträume erfasst werden konnten.

Tzolkin
Zum einen verwendeten die Majas den Tzolkin, der auch als heiliger Kalender Eine Steintafel mit verschiedenen Maya Schriften die einen Auszug aus dem Maya Kalender darstellt.bezeichnet wird. Sein Name bedeutet so viel wie: Zählung der Tage. Gezählt wird ein Zyklus von 260 Tagen. Jeder einzelne Tag im Tzolkin kombiniert eine Zahl von 1 bis 13 mit dem Namen einer von insgesamt 20 Schutzgottheiten. Aus der Tatsache, dass 260 das kleinste gemeinsame Vielfache von 13 und 20 darstellt, erklärt sich die Länge des Zyklus. So kann sich ein Datum im Tzolkin erst nach 260 Tagen wiederholen.

Haab
Der Haab ist dem uns vertrauten Kalender am ähnlichsten. Ebenso wie der gregorianische Kalender umfasst der Haab 365 Tage und bildet damit die beste ganzzahlige Näherung an das Sonnenjahr. Allerdings zählt ein Haab-Jahr 18 Monate mit jeweils 20 Tagen. Hinzu kommt ein weiterer Monat mit nur fünf Tagen, die als „Unglückstage“ galten.

Kalenderrunde
Um ein konkretes Datum genau zu benennen, verwendeten die Mayas meist beide Kalenderangaben. Aus der Kombination von Haab- und Tzolkin-Daten ergibt sich jedoch nur ein relativ kurzer Zeitraum, in dem sich ein bestimmter Tag eindeutig bezeichnen lässt. Das kleinste gemeinsame Vielfache von 365 (Anzahl der Tage im Haab) und 260 (Anzahl der Tage im Tzolkin) beträgt 18.980. Das heißt, nach dieser Anzahl von Tagen wiederholt sich zum ersten Mal ein mittels beider Kalender bestimmtes Datum. Der Zyklus von 18.980 Tagen, was ungefähr 52 Sonnenjahren entspricht, wird daher als Kalenderrunde der Mayas bezeichnet.
 

 
Lange Zählung oder Long Count
Die Tatsache, dass sich mit Hilfe von Haab und Tzolkin Daten nur in einem Zeitraum von 52 Jahren exakt bestimmen lassen, ließ es nicht zu, Daten innerhalb größerer Zeiträume eindeutig zu bezeichnen. Dieses Problem überwanden die Mayas, indem sie sich eines dritten Systems bedienten – der so genannten Langen Zählung. Auch hierbei handelte es sich um das Zählen von Tagen. Diese dritte Zählung versetzte die Mayas in die Lage, innerhalb einer Periode von 1.872.000 Tagen (rund 5.125 Jahren), jeden einzelnen Tag eindeutig benennen zu können. Das ermöglichte ihnen Aufzeichnungen zu längeren, geschichtlichen Zeiträumen und astronomische Berechnungen.

Der Maya Kalender 2012, mit Maya Schriften am Tellerrand.Datumsangaben im Maya Kalender
Während wir es gewohnt sind, Geschichtsdaten nach Jahrhunderten zu bezeichnen, werden Daten im Maya Kalender konsequent über eine bestimmte Anzahl von Tagen angegeben, deren Bezeichnungen in etwa einem numerischen Zwanzigersystem entsprechen. So bezeichnet ein „Kin“ einen Tag, ein „Uinal“ 20 Tage, ein „Tun“ 360 Tage, ein „Katun“ wiederum 20 Tun und damit 7.200 Tage und schließlich ein „Baktun“ 144.000 Tage. Dank der Langen Zählung kann also das Datum für jeden Tag seit dem Anfang des Maya Kalenders exakt angegeben werden. Ein Datum in der Langen Zählung liest sich so: Baktun.Katun.Tun.Uinal.Kin. Auf zahlreichen Stelen der Maya finden sich entsprechende Datumsangaben.
 

Der Maya Kalender 2012

Voraussetzung dafür, mögliche Maya Prophezeiungen entschlüsseln zu können, ist zunächst die Umrechnung eines Datums im Maya Kalender in ein heute gebräuchliches Kalendersystem. Wie bereits angemerkt, bezeichnet eine Datumsangabe in der Langen Zählung des Maya Kalenders eine Anzahl von Tagen, die seit einem absoluten Basisdatum (dem Beginn des Kalenders) vergangen sind. Um anhand von Daten im Maya Kalender für 2012 eventuell zu erwartende Maya Prophezeiungen abzuleiten, muss zunächst klar sein, wie sich ein Datum im Kalender der Maya in eine Datumsangabe eines gebräuchlichen Kalendersystems umrechnen lässt. Maya Forscher entwickelten hierfür unterschiedliche Ansätze, so auch der britische Anthropologe Sir John Eric Sidney Thompson. Die heute von der Mehrzahl der Experten akzeptierte Korrelationszahl findet sich in der von ihm entwickelten Thompson-Gleichung. Danach entspricht die Korrelation der Differenz zwischen dem Zahlenwert der Langen Zählung der Maya und dem Datum entsprechend dem julianischen Kalender und beträgt 5.84284 plus/minus einen Tag. Daraus ergibt sich, dass am 21., 22. oder 23. Dezember 2012 im aktuell gültigen 13. Baktun-Zyklus der Langen Zählung des Maya Kalenders erstmals der Zahlenwert des Ausgangstages (13.0.0.0.0) wiederkehrt. Das kann als Ende dieses Kalenders interpretiert werden. Diese Tatsache verleitet einige zu der Vermutung, damit wäre der Weltuntergang 2012 eine der Maya Prophezeiungen.

Droht uns der Weltuntergang 2012?

Maya-Forscher halten wenig von diesen angeblichen Maya Prophezeiungen. Ihrer Meinung nach markiert das Datum 13.0.0.0.0 nicht das Ende der Langen Zählung des Maya Kalenders oder der Welt, sondern nur das Ende des aktuellen Zyklus von 13 Baktun. Demzufolge halten sie die Vorhersage des Weltuntergangs 2012 unter Berufung auf den Maya Kalender für ziemlich absurd. Darüber, ob die Maya sich dieses Datum als Ende der Tageszählung und damit womöglich der Welt oder als Neubeginn der Zählung und damit der Schöpfung vorstellten, lässt sich natürlich vortrefflich streiten. Allein mit Blick auf die Kalender der Maya ist jedoch keine Prophezeiung des Weltuntergangs für 2012 zu begründen. Da Weltuntergangsszenarien jedoch immer einen besonderen Reiz haben, wird die Behauptung, der Maya Kalender sage den Untergang der Welt im Dezember 2012 voraus, vermutlich erst verstummen, wenn wir alle friedlich unter dem Weihnachtsbaum sitzen. Ganz im Sinne einer Textzeile in einem bekannten Weihnachtslied: „So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit …“ sollten wir natürlich neugierig bleiben, was an den Tagen kurz vor dem Heiligen Abend geschehen wird.